Der Gemeindewald Schwanau – Naturraum, Klimaschützer, Lebensraum und Erholungsgebiet
Der Gemeindewald Schwanau ist eines der wertvollsten Naturgüter unserer Gemeinde. Mit einer Forstbetriebsfläche von rund 820 Hektar prägt er die Landschaft zwischen Rhein und Autobahn in den Ortsteilen Allmannsweier, Nonnenweier, Ottenheim und Wittenweier.
Als Abschnitt der Oberrheinebene gehört ein bedeutsamer Teil der Waldflächen zu den ökologisch besonders wertvollen Auenwäldern. Diese Lebensräume zählen zu den artenreichsten und bedeutendsten Naturräumen Mitteleuropas.
Der Schwanauer Wald ist weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Er erfüllt wichtige Aufgaben für Natur, Klima und Mensch. Als nachhaltiger Wirtschaftswald liefert er den nachwachsenden Rohstoff Holz, als Schutzwald sichert er wertvolle Lebensräume und trägt z.B. zum Klima- und Wasserschutz bei. Gleichzeitig dient er als beliebtes Naherholungsgebiet für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Gemeinde
Ein artenreicher Wald mit vielfältigen Baumarten
Der Gemeindewald zeichnet sich durch seine große Vielfalt an heimischen Baumarten aus. Zu den wichtigsten Baumarten gehören Bergahorn, Esche, Hainbuche, Eiche, Roterle, Ulme, Kirsche, Weide und Pappel. Zusätzlich prägen weitere Baumarten wie Feldahorn, Walnuss, Schwarznuss, Linde, Elsbeere und viele mehr das Landschaftsbild.
Die unterschiedlichen Standortbedingungen der Hartholz- und Weichholzauenwälder mit, wasserführenden Gräben, nährstoffreichen und tiefgründigen Böden und trockenen Waldflächen schaffen vielfältige Lebensräume. Dadurch entsteht ein abwechslungsreicher und strukturreicher Wald, der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet.
Nachhaltige Waldbewirtschaftung
Die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes erfolgt nach den Grundsätzen einer naturnahen und nachhaltigen Forstwirtschaft nach guter fachlicher Praxis. Ziel ist es, stabile und artenreiche Mischwälder zu erhalten und gleichzeitig den nachwachsenden Rohstoff Holz verantwortungsvoll zu nutzen.
Der Schwanauer Wald ist nach PEFC-Standard zertifiziert.
Der durchschnittliche Holzzuwachs beträgt rund 5,7 Erntefestmeter pro Jahr und Hektar. Demgegenüber liegt der jährliche Hiebssatz bei lediglich 4,4 Erntefestmetern pro Jahr und Hektar. Damit wächst im Schwanauer Wald mehr Holz nach, als genutzt wird. Dies gewährleistet die nachhaltige Entwicklung des Waldes und sichert den Wald mit all seinen Funktionen auch für zukünftige Generationen. Sowohl die Brennholzversorgung als auch die Nutzung von Holz in langlebigen Holzprodukten wie Möbel, Fußböden und Holzwerkstoffen speichert nicht nur CO₂, sondern hilft auch dabei klimaschädliche Rohstoffe zu substituieren.
Die Holznutzung trägt darüber hinaus zur regionalen Wertschöpfung bei und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Die Brennholzversorgung der örtlichen Bevölkerung spielt nach wie vor eine große Rolle. Solange noch fossile Rohstoffe zur Wärmeerzeugung verwendet werden, ist Holz als Wärmequelle deutlich umweltfreundlicher. Nach einer Umfrage von 2020 nutzen ca 40 Prozent der Schwanauer Haushalte Holz als Brennstoff.
Schutzwald für Klima, Wasser und Artenvielfalt
Eine besondere Bedeutung kommt dem Gemeindewald als Schutzwald zu. Insgesamt sind rund 676 Hektar als Klimaschutzwald ausgewiesen. Darüber hinaus erfüllen 166 Hektar die Funktion eines Immissionsschutzwaldes und tragen zur Verbesserung der Luftqualität bei.
Der Wald wirkt als natürlicher Wasserspeicher. Besonders die Auenwälder entlang des Rheins können große Wassermengen aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Gleichzeitig filtern die Böden Schadstoffe und fördern die Grundwasserneubildung.
Fast die gesamte Waldfläche ist als Erholungswald kartiert und besitzt somit eine besondere Bedeutung für die Erholung und Auszeit der Bevölkerung.
Wertvolle Biotope und geschützte Lebensräume
Der Gemeindewald Schwanau ist ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Insgesamt umfasst er eine Biotopfläche von rund 227 Hektar und damit mehr als ein Viertel der gesamten Forstbetriebsfläche. In 106 kartierten Biotopen finden sich unter anderem seltene naturnahe Waldgesellschaften, Feuchtbiotope, strukturreiche Waldbestände, wertvolle Waldränder und besonders schützenswerte Pflanzenbestände.
Eine besondere Rolle spielt auch das Naturschutzgebiet „Thomasschollen“ mit einer Fläche von 188 Hektar. Hinzu kommen zwei großer Schonwälder mit insgesamt über 50 Hektar „Am Brand“ und „Schützenkopf“, in dem die Bewirtschaftung des Waldes dazu dient, eine, historisch besonders schonende Nutzungsform und die darin vorkommenden Arten und Lebensstätten zu schützen. Auch der Mittelwald im „Wittenweirer Wäldele“ mit einer Größe von 25 Hektar zeigt eine besondere historische Bewirtschaftungsform und bietet einen ganz besonderen Lebensraum und Rückzugsort für lichtliebende Schmetterlings,- Käfer- und Pflanzenarten.
Darüber hinaus liegt ein großer Teil des Gemeindewaldes innerhalb europaweit bedeutender Natura-2000-Schutzgebiete. Zum Vogelschutzgebiet „Rheinniederung Nonnenweier–Kehl“ gehören rund 526 Hektar, während das FFH-Gebiet „Rheinniederung von Wittenweier bis Kehl“ etwa 507 Hektar umfasst.
Zu den geschützten Lebensraumtypen zählen insbesondere Auenwälder mit Erle, Esche und Weide, Hartholzauenwälder sowie naturnahe Fließgewässer mit flutender Wasservegetation.
Heimat für seltene Tierarten
Die Vielfalt der Lebensräume macht den Schwanauer Wald zu einem wichtigen Rückzugsort für zahlreiche seltene und geschützte Tierarten. Hier finden unter anderem Biber, Eisvogel, Gelbbauchunke, Hirschkäfer, Mittelspecht, Grauspecht, Baumfalke, Schwarzmilan und Neuntöter geeignete Lebensbedingungen. Auch der Fischadler wurde schon beobachtet.
Viele verschiedene Fledermausarten, darunter die seltene Bechsteinfledermaus, profitieren von den alten und strukturreichen Waldbeständen. Die enge Verzahnung von Wald, Gewässern und Feuchtflächen schafft ein wertvolles Biotopnetz innerhalb der Oberrheinebene.
Erholung und Naturerlebnis vor der Haustür
Für die Menschen in Schwanau ist der Gemeindewald ein wichtiger Ort der Erholung. Die abwechslungsreiche Landschaft aus alten Baumbeständen, Gewässern, Lichtungen und naturnahen Waldwegen lädt zu Spaziergängen, Wanderungen, Radtouren und Naturbeobachtungen ein.
Beliebt sind insbesondere die Wege entlang des Rheindamms sowie die zahlreichen Waldwege in den Rheinwäldern. Auch der „Elzpfad“ verbindet die Ortsteile auf naturnahe Weise und ermöglicht eindrucksvolle Einblicke in die heimische Auenlandschaft.
Die Waldwege sind zudem an überregionale Radwege wie die „Veloroute Rhein“ angebunden. In unmittelbarer Nähe befinden sich außerdem attraktive Gewässer für Bootstouren und Naturbeobachtungen.
Einen besonderen Beitrag zur Umweltbildung leistet der Wald- und Naturkindergarten „Schwanennest“. Hier erleben Kinder die Natur unmittelbar und lernen spielerisch den verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Umwelt.
Waldumbau für kommende Generationen
Der Klimawandel stellt auch die Wälder in Schwanau vor große Herausforderungen. Längere Trockenperioden, Extremwetterereignisse und neue Schadorganismen erfordern eine vorausschauende Entwicklung des Waldes.
Deshalb setzt die Gemeinde auf einen klimaangepassten Waldumbau. Bei Bürgerpflanzaktionen in den Schwanauer Wäldern werden Jahr für Jahr über 1000 neue Bäume gepflanzt. Dabei kommen gezielt klimaresistente und standortgerechte Baumarten zum Einsatz. Bei den heimischen Baumarten sind dies Stieleiche, Wildobst, Speierling, Feldahorn und Hainbuche. Zusätzlich werden aber auch Baumarten gepflanzt, die bisher nicht vorkamen, für die es aber eine gute Prognose im Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt wie zum Beispiel Baumhasel, Tulpenbaum, Platane und Esskastanie.
Diese vielfältige Baumartenmischung erhöht die Stabilität des Waldes und verbessert seine Anpassungsfähigkeit an zukünftige Klimabedingungen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Ein gesunder Wald lebt nicht nur von einer nachhaltigen Bewirtschaftung, sondern auch vom verantwortungsvollen Verhalten seiner Besucherinnen und Besucher. Zahlreiche Ehrenamtliche engagieren sich im Rahmen von Aktionen wie „Schwanau bleib(t) sauber“ für den Erhalt und die Pflege der Wald- und Freizeitflächen.
Die Gemeinde bittet deshalb alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher, auf Sauberkeit zu achten, keinen Müll zu hinterlassen und die Natur zu respektieren. Festgestellte Schäden oder Verunreinigungen können unkompliziert über den digitalen Mängelmelder der Gemeinde gemeldet werden.
Ein Wald mit Zukunft
Der Stadtwald Schwanau vereint auf einzigartige Weise die Funktionen von Naturschutz, Klimaschutz, nachhaltiger Holznutzung und Naherholung. Seine artenreichen Rhein- und Auenwälder, die wertvollen Schutzgebiete und die nachhaltige Bewirtschaftung machen ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Gemeinde.
Mit dem konsequenten Waldumbau, dem Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger sowie einer verantwortungsvollen Forstwirtschaft wird dafür gesorgt, dass der Schwanauer Stadtwald auch in Zukunft ein lebendiger Lebensraum, ein wichtiger Klimaschützer und ein attraktiver Erholungsort für kommende Generationen bleibt.